Philosophie

Ein alter Indianer saß mit seinem Enkel am Lagerfeuer. Der Alte sagte nach einer Weile des Schweigens:  "Weißt du, wie ich mich manchmal fühle? Es ist, als ob da zwei Wölfe in meinem Herzen miteinander kämpfen würden. Einer der beiden ist rachsüchtig, aggressiv und grausam. Der andere hingegen ist liebevoll, sanft und mitfühlend." "Welcher der beiden wird den Kampf um dein Herz gewinnen?", fragte der Junge.

          

"Der Wolf, den ich füttere."

                   

Ihr inspirierten und kreativen, Ihr impulsiven die Worte schmieden, an alle Ausdrucksgetriebenen, Geschichten liebenden, deren Ausdruck von Pinsel, Klang, Wort, oder Bewegung getrieben: welchen Wolf wollen wir füttern - und dem Publikum anbieten ?!

  ***

 Warum Schauspieler? 

Das ein Mensch sich so oder so verhält, kann dem neugierigen Fragen eröffnen. Der Grund, warum er sich so oder so verhält- und wie sich dieses jeweilige Verhalten auf Andere, und jenes Verhalten wiederum auf Andere usw. auswirkt, darin liegt für mich die Faszination, die Neugier, das Interesse und der Ehrgeiz des forschens. Woher kommt der Antrieb zu ergründen, mitzuteilen, zu erfahren, auszudrücken, das Unbekannte zu erkennen und zu erleben...? Wahrscheinlich möchte sich etwas verwirklichen, das aus den tieferen Schichten bei jedem von uns, auf irgend eine Art und Weise aus uns Selbst herausgeboren werden möchte!

 Es geht um den Menschen!

Wie sagte der Choreograph Royston Maldoom in seinem berühmten Tanz-Projekt und Kinofilm "Rhythm is it"? >...Glaubt nicht, dass wir hier nur tanzen!<

Darsteller setzen sich mit Handeln und Verhalten der verschiedensten Charaktere und Gesellschaftschichten auseinander. Was ist der Ursprung allen Handelns? Fangen wir doch mal beim Ursprung an: worum geht es wirklich, warum existieren wir, was ist unsere wahre Bestimmung oder Aufgabe, womit sollten wir uns beschäftigen und unsere Zeit nützen? Wohin zielt unser Weg ab? Was bewegt und treibt den Menschen wohin und warum? Wie funktioniert eine friedvolle Gesellschaft, oder warum funktioniert sie nicht? Welche Anschauungen und Vorstellungen schaffen Unglück und welche wiederum lassen uns in Harmonie miteinander sein. Welche Regeln sind zu beachten oder welche Lehren, damit ein Leben in Harmonie miteinander möglich ist? Wer wünscht sich das nicht und wie sieht unser Zustand auf dieser unseren Ebene heute aus? Theater und Film können diese Fragen behandeln und demonstrieren. 

Was könnte das Verständnis der jeweiligen Hintergründe unserer millionenfach unterschiedlichen Motivationen fördern? Was sind die wahren, inneren Impulse und Beweggründe, Emotionen, Gedanken und Empfindungen… ...Schriften, Werke und Szenerien gibt es in sämtlichen Varianten,- bunte, leichte, tiefe, humorvolle, oder ernsthafte bis weise…- sogar jene, in denen plötzlich alle Fragen über den Sinn unserer Existenz beantwortet werden (!). Warum nehmen wir uns statt dessen Zeit für inhaltlose Berieselung? Warum sind so viele Unterhaltungsmedien an der Oberfläche interessiert? Das ist, was wir heute zu futtern bekommen. Aber wir bekommen auch was wir wollen,- sonst würde es nicht funktionieren! Entsprechend pegeln wir uns auf ein Zusammenleben ein, welches ein Verständnis füreinander ausschließt und uns gegenseitig nicht näher bringt, im Gegenteil. Das hat nichts mit „Moralapostelei“ zu tun, jeder kann es sehen, lesen, hören, in der Zeitung, im Internet und in sämtlichen Werbe,- Bild,- und Tonmedien! Alles vom darstellerischen und unterhaltenden Bereichen ausgehende, hat unweigerlich irgend einen Einfluss auf den Teilnehmer, wenn auch auf jeden unterschiedlich. Wenn man sich dessen bewusst wird, ist die Verantwortungsdebatte nach meinem Verständnis keine Debatte mehr, sondern ein unumgänglicher Orientierungspunkt.

Alles vom darstellerischen und unterhaltenden Bereichen

   Aber zurück zu mir und warum eigentlich dieser Beruf ?

Dieser herausfordernden Frage stelle ich mich immer wieder, wenn ich sie mir manchmal auch nur annähernd beantworten kann. Eine immer wiederkehrende Antwort ist:

Erst mal aus Freude, Interesse und Neugier in Bezug darauf, warum sich wer wie verhält. Und besonders dann, wenn etwas eintrifft womit wir nicht gerechnet hätten! Ertappen Sie sich nicht selbst immer wieder beim Beobachten irgendwelcher Szenerien im realen Umfeld? 

Die Freude am Beobachten fliesst in die Arbeit ein.   Worin besteht die Freude und der Antrieb?

Zu zeigen, zu forschen, bzw. zu demonstrieren was man glaubt. Zum Ausdruck bringen was andere oder mich selbst bewegt. Vielleicht erzeugt auch ein gewisser Ehrgeiz den Reiz, mit Hilfe dieser arbeitsspezifischen Voraussetzung, herauszuarbeiten, welches Verhalten einer Person in jeweiliger Situation angemessen zu sein scheint.

Kreativität, Neugier für das Unbekannte und ein gewisser Drang, jene Dinge zum Ausdruck zu bringen, die mir wichtig erscheinen. Zu zeigen, was man in der Gesellschaft vermisst, was man gerne hinzufügen würde. Und der Wunsch nach mehr gegenseitigem Allgemeinverständnis innerhalb der ganzen Gesellschaft.

   Praxis

Wie verhalte ich mich in jeweiliger Situation, gemäß meiner verfügbaren Informationen, Emotionen, Erbanlagen und meiner gefühls- gedanken, erfahrungs- und sensibilitätsbedingten Veranlagung allem gegenüber, was mit mir und um mich herum geschieht ?

Diese eigenen Wahrnehmungsbereiche zu nutzen, erfordert die Bereitschaft und ein bestimmtes Maß an Offenheit gegenüber der eigenen Aufmerksamkeit, Wachsamkeit, dem Reaktionsvermögen,- erfordert geistige wie physische Fitness, Durchlässigkeit und Tranzparenz auf allen Ebenen. Alles, auch noch so subjektive, überträgt sich auf die Teilnehmenden. Diese Art von Schaffen erfordert die Preisgabe eines großen, privaten Anteils, auch wenn er sich scheinbar nur hinter den Rollen verbirgt.  Jedoch bestehen wir nicht nur allein aus funktionierenden, physischen und psychischen Mechanismen. Wenn Menschen zusammen kommen, sind vielerlei Kräfte im Spiel, mit denen angemessen gearbeitet und umgegangen werden sollte, meine ich. Wo Menschen zusammen arbeiten und aufeinander angewiesen sind, denke ich, ist ein fachlich wie menschlich weitsichtiger Umgang miteinander angemessen. Und mit dem Blick auf mich selbst gerichtet, hängt eine gute Arbeit auch von einer Art Vorbereitung "nach bestem Wissen und Gewissen" ab, wie es so schön heisst.

Ich stelle mich allen Projekten zur Verfügen, die von positiven Absichten motiviert sind, als Schauspieler, Sprecher und Mitgestalter, mit ebenfalls besten Absichten, mit Freude, Engagement und Liebe an der Arbeit.

Malte Friedrich