Philosophie
Philosophie eines Indianers
Ein alter Indianer saß mit seinem Enkel am Lagerfeuer. Der Alte sagte nach einer Weile des Schweigens: "Weißt du, wie ich mich manchmal fühle? Es ist, als ob da zwei Wölfe in meinem Herzen miteinander kämpfen würden. Einer der beiden ist rachsüchtig, aggressiv und grausam. Der andere hingegen ist liebevoll, sanft und mitfühlend." "Welcher der beiden wird den Kampf um dein Herz gewinnen?", fragte der Junge.
"Der Wolf, den ich füttere."
Ihr inspirierten und kreativen, Ihr impulsiven die Worte schmieden, an alle Ausdrucksgetriebenen, Geschichten liebenden, deren Inspiration von Pinsel, Klang, Wort, oder Bewegung getrieben: welchen Wolf wollen wir füttern und mit was, um nicht Unruhe zu wecken, sondern den Frieden?!
Ideale sterben nicht, wir schon!
„Eine Person, die einer Vorstellung beiwohnt, muss das Theater als ein besserer, stärkerer, mutigerer Mensch verlassen, nicht ärmer und schwächer“
„Ihr inspiriert die Zuschauer, ihr Leben zu ändern. (...) Autoren wie Schauspieler haben also eine große Verantwortung den Zuschauern gegenüber, und ihr Ziel sollte die moralische Verfeinerung des Menschen sein“„Benutzt die dramatische Kunst und die Möglichkeiten, die sie euch bietet, euch in der Selbstaufgabe zu üben. Das ist der schnellste Weg zur Selbstverwirklichung.“
(Sri Sathya Sai Baba)
Künstler-Ideal
Die mitzuteilende Idee ist das Wirkliche. Die Sprache, in die es gekleidet wird, ist nur von oberflächlichem Interesse. Die Aufgabe besteht darin, die Idee erkennbar und annehmbar zu machen, bzw. die reine Idee zum Ausdruck zu bringen und nicht nur schöne Worte zu sprechen.Nicht nur schöne Worte von Meister Goethe
„Man schließe das Auge, man öffne, man schärfe das Ohr, und vom leisesten Hauch bis zum wildesten Geräusch, vom einfachsten Klang bis zur höchsten Zusammenstimmung, von dem heftigsten, leidenschaftlichen Schrei bis zum sanftesten Worte der Vernunft ist es nur die Natur, die spricht, ihr Dasein, ihre Kraft, ihr Leben und ihre Verhältnisse offenbart, so dass gar ein Blinder, dem das unendlich Sichtbare versagt ist, im Hörbaren ein unendlich Lebendiges fassen kann.“(J. W. von Goethe)
Du kannst dein Leben nicht verlängern, noch verbreitern, nur vertiefen.
(Gorch Fock)
MF: Das ein Mensch sich so oder so verhält, kann dem neugierigen Fragen eröffnen. Der Grund, warum er sich so oder so verhält- und wie sich dieses jeweilige Verhalten auf Andere, und jenes Verhalten wiederum auf Andere usw. auswirkt, dies zu erforschen, darin besteht für mich die Faszination, die Neugier, das Interesse. Der Antrieb zu ergründen, mitzuteilen, zu erfahren, auszudrücken, das Unbekannte zu erkennen und zu erleben... wahrscheinlich möchte sich etwas verwirklichen, das aus den tieferen Schichten bei jedem von uns, auf irgend eine Art und Weise herausgeboren werden möchte!
>Glaubt nicht, dass wir hier nur tanzen!<
(Royston Maldoom - über sein berühmtes Tanz-Projekt in der Kino-Dokumentation "Rhythm is it")
MF: Jeder hat etwas, dass ihn antreibt. Darsteller setzen sich mit Handeln und Verhalten verschiedenster Charaktere und Gesellschaftschichten auseinander. Fangen wir beim Ursprung an: Was ist der Ursprung allen Handelns? Worum geht es wirklich, was ist der Sinn unserer Existenz, unsere wahre Bestimmung oder Aufgabe, womit sollten wir uns beschäftigen und unsere Zeit nützen?Es geht um den Menschen
MF: Wohin zielt unser Weg ab? Was bewegt und treibt den Menschen an, wohin und warum? Wie funktioniert eine friedvolle Gesellschaft, oder warum funktioniert sie nicht? Welche Ideen schaffen Unglück und welche wiederum lassen uns in Harmonie miteinander sein. Welche Regeln sind zu beachten oder welche Lehren, damit ein Leben in Harmonie miteinander möglich ist? Wer wünscht sich das nicht und wie sieht unser gesellschaftlicher Zustand heute aus? Theater und Film können diese Fragen behandeln und demonstrieren, Gesellschaftsmodelle obiektiv beleuchten und die jeweilige Komplexität des Mit-Ein-Ander's veranschaulichen.In der Stimme wird die Seele des Menschen zum Korrektiv erhoben
(Patricia Petibon, Sängerin, Bayerische Staatsoper)
MF: Was könnte das Verständnis der jeweiligen Hintergründe unserer millionenfach unterschiedlichen Motivationen fördern? Was sind die wahren, inneren Impulse und Beweggründe, Emotionen, Gedanken und Empfindungen ...Schriften, Werke und Szenerien gibt es in sämtlichen Varianten,- bunte, leichte, tiefe, humorvolle, oder ernsthafte bis weise, - sogar jene, in denen plötzlich alle Fragen über den Sinn unserer Existenz beantwortet werden (!). Warum nehmen wir uns statt dessen Zeit für inhaltlose Berieselung? Warum sind so viele Unterhaltungsmedien an der Oberfläche interessiert? Das ist, was wir heute zu futtern bekommen. Aber wir bekommen auch was wir wollen,- sonst würde es nicht funktionieren! Entsprechend pegeln wir uns auf ein Zusammenleben ein, welches ein Verständnis füreinander ausschließt und uns gegenseitig nicht näher bringt, im Gegenteil. Das hat nichts mit „Moralapostelei“ zu tun, jeder kann es sehen, lesen, hören, in der Zeitung, im Internet und in sämtlichen Werbe,- Bild,- und Tonmedien! Alles von darstellerischen und unterhaltenden Bereichen ausgehende, hat unweigerlich irgend einen Einfluss auf den Teilnehmer, wenn auch auf jeden unterschiedlich. Wenn man sich dessen bewusst wird, ist die Verantwortungsdebatte keine Debatte mehr, sondern ein unumgänglicher Orientierungspunkt.
Warum eigentlich dieser Beruf ?
MF: Dieser herausfordernden Frage stelle ich mich immer wieder, wenn ich sie mir manchmal auch nur annähernd beantworten kann. Eine immer wiederkehrende Antwort sind obige Beweggründe und:
Freude, Interesse und Neugier in Bezug darauf, warum sich wer wie verhält. Und besonders dann, wenn etwas eintrifft womit wir nicht gerechnet hätten! Ertappen Sie sich nicht selbst immer wieder beim Beobachten irgendwelcher Szenerien im realen Umfeld?
Die Freude am Beobachten fliesst in die Arbeit ein.
Worin besteht die Freude und der Antrieb?
MF: Zu zeigen, zu forschen, bzw. zu demonstrieren was man glaubt. Zum Ausdruck bringen was andere oder mich selbst bewegt. Vielleicht erzeugt auch ein gewisser Ehrgeiz den Reiz, mit Hilfe dieser arbeitsspezifischen Voraussetzungen, herauszuarbeiten, welches Verhalten einer Person in jeweiliger Situation angemessen zu sein scheint.
Kreativität, Neugier für das Unbekannte und ein gewisser Drang, jene Dinge zum Ausdruck zu bringen, die mir wichtig erscheinen. Zu zeigen, was man in der Gesellschaft vermisst, was man gerne hinzufügen würde. Und der Wunsch nach mehr gegenseitigem Allgemeinverständnis innerhalb der ganzen Gesellschaft.
Praxis
MF: Wie verhalte ich mich in einer Situation, z.B. gemäß meiner verfügbaren Informationen, Emotionen, Erbanlagen, Psyche, meiner gefühls- gedanken, erfahrungs- und sensibilitätsbedingten Veranlagung allem gegenüber, was mit mir zu tun hat und um mich herum und mit mir geschieht ?
Die Stimme ist ein Mensch
MF: Diese eigenen Wahrnehmungsbereiche zu nutzen, erfordert ein bestimmtes Maß an Offenheit anderen gegenüber, der eigenen Aufmerksamkeit, Wachsamkeit, dem Reaktionsvermögen gegenüber,- erfordert geistige, psychische und physische Fitness, Durchlässigkeit, die Fähigkeit zu staunen, Tranzparenz auf allen Ebenen des seins. Alles, auch noch so subjektive, überträgt sich gewissermaßen auf die Teilnehmenden. Diese Art von Schaffen erfordert die Preisgabe eines großen, privaten Anteils und der eigenen Persönlichkeit, auch wenn sie sich scheinbar nur hinter der Rolle verbirgt. Wir bestehen nicht nur aus funktionierenden, physischen und psychischen Mechanismen. Eine Maschine hat soundso viele Knöpfe, welche dies oder jenes auslösen. So viele Knöpfe, wie ein Mensch emotionale Impulse hat, könnte es gar nicht geben, deshalb sind sie wohl unsichtbar! Wenn Menschen zusammen kommen, sind vielerlei Kräfte im Spiel, die während der Arbeit voneinander unterschieden werden müssen.
Negative Energie killt positive Energie!
MF: Der feine, sensible Kontakt zur eigenen, inneren Inspiration, Intuition, zur positiven Energie und dem inneren Kompaß, dem Unterscheidungsvermögen für angemessenes Handeln und Verhalten, sind wichtige Grundlagen. Ein schädlicher Virus, der diese wichtigen Grundlagen gefährdet, ist n egative Energie im Arbeitsablauf! Sie killt positive Energie, zu welcher wir uns immer wieder durchringen müssen! Professionell, wenn man so will, ist, wenn wir die Emotionen, mit welchen wir arbeiten, auch beherrschen. Was ist die aufrichtige Antwort auf eine aufrichtig gemeinte Frage im Bezug auf unsere berufliche Praxis: 1. können wir in einem Arbeitsprozess zwischen persönlich und sachlich (unserer Aufgabe) unterscheiden? 2. wenn ja, beherrschen wir unsere Emotionen? 3. Ego ist wichtig! Aber ab wann verwandelt es positive Energie in negative Energie? Es braucht manchmal nur einen kleinen, leichtsinnigen, negativen Impuls, für eine verheerende Kettenreaktion.
Wo Menschen direkt zusammen arbeiten und aufeinander angewiesen sind, es keine Ausweichmöglichkeiten gibt und das Ergebnis von der Gruppenfähigkeit abhängt, so ist es, auf meine persönlichen Erfahrungen zurückgreifend, denke ich, unbedingt erforderlich, einen angemessenen Umgang miteinander zu finden, in Rücksicht auf diese wirkenden, persönlichen Wahrnehmungen und Kräfte in jedem von uns und als Vorraussetzung dafür, dass der Ausrichtung auf die Sache um die es geht, nichts mehr im Wege steht. Was nützt all die Offenheit, Tranzparenz, Reaktionsfähigkeit und Liebe zur Arbeit, wenn all das hinter dem Panzer und den Abwehrtechniken, die man sich heute in vielen Bereichen aneignen muß, nicht zur Wirkung kommen kann? Mit dem Blick auf mich selbst gerichtet, hängt ein effektives Ergebnis auch von einer Vorbereitung "nach bestem Wissen und Gewissen" ab, wie es so schön heisst.
Ich stelle mich allen Projekten zur Verfügen, die von positiven Absichten motiviert sind, als Schauspieler, Sprecher und Mitgestalter, mit ebenfalls besten Absichten, mit Freude, Engagement und Liebe an der Arbeit.
Malte Friedrich